Sachsens Burgen und Schlösser erzählen vor allem von einer Familie: den Wettinern, die das Land vom hohen Mittelalter bis 1918 regierten. Als Markgrafen von Meißen begannen sie auf dem Burgberg über der Elbe, als Kurfürsten und Könige residierten sie in Dresden, jagten in Moritzburg und verwahrten Staatsschatz, Archive und unbequeme Gefangene auf der Festung Königstein. Die meisten Ziele liegen nah bei Dresden, viele direkt am Fluss.
Albrechtsburg Meißen
Auf dem Burgberg von Meißen ließ König Heinrich I. um 929 eine Burg anlegen, die das Land an der mittleren Elbe sichern sollte – die Keimzelle des späteren Sachsen. 1471 beauftragten die gemeinsam regierenden wettinischen Brüder Ernst und Albrecht den Baumeister Arnold von Westfalen mit einem Neubau. Was entstand, war keine Burg mehr: große Fenster, bequeme Wohnräume und repräsentative Säle statt Schießscharten und Wehrgängen. Die Albrechtsburg gilt deshalb als erster Schlossbau in Deutschland; was eine Burg von einem Schloss unterscheidet, erklärt unser Glossar.
Arnold von Westfalen erprobte hier Formen, die in Sachsen Schule machten. Die Zellengewölbe, deren tief eingeschnittene Kappen ohne Rippen auskommen, überspannen viele Räume und wurden in der Region vielfach nachgeahmt. Am Schlosshof windet sich der Große Wendelstein empor, ein Treppenturm, dessen Stufen um ein offenes Treppenauge kreisen; er gilt als Meisterwerk spätgotischer Steinmetzkunst. Als Residenz wurde das Schloss trotzdem kaum genutzt, denn mit der Leipziger Teilung von 1485 trennten sich die Wege der Brüder, und der Hof saß fortan in Dresden.
1710 machte August der Starke die Burg zum Sitz der ersten europäischen Porzellanmanufaktur. Kurz zuvor war es in Dresden gelungen, Hartporzellan herzustellen, das man in Europa lange vergeblich nachzuahmen versucht hatte, und die abgeschiedene Burg schien geeignet, das Geheimnis zu hüten. Bis 1863 wurde hier produziert, dann zog die Manufaktur in einen Neubau im Tal. Anschließend wurde das Schloss restauriert und von 1873 bis 1885 mit großen Wandbildern zur Geschichte Sachsens ausgemalt.
Schloss Moritzburg
Rund 15 Kilometer nördlich von Dresden ließ Herzog Moritz von Sachsen ab 1542 ein Jagdhaus im Stil der Renaissance errichten. Seine heutige Gestalt verdankt Moritzburg August dem Starken: Von 1722 bis 1730 baute Matthäus Daniel Pöppelmann, der Architekt des Dresdner Zwingers, das Jagdhaus zum barocken Jagd- und Lustschloss mit vier runden Ecktürmen um. Zur selben Zeit wurden vier Teiche zu einem großen Schlossteich vereint, aus dem das Schloss auf seiner Insel aufsteigt.

Im Inneren dreht sich vieles um die Jagd als höfisches Fest. Die Geweihsammlung zählt zu den bedeutendsten ihrer Art; im Speisesaal hängen Dutzende Rothirschgeweihe, manche mehrere Hundert Jahre alt. Berühmt ist auch das Federzimmer mit einem Prunkbett, für dessen Behänge rund eine Million Federn verarbeitet wurden. Nach fast zwei Jahrzehnten Restaurierung ist es seit 2003 wieder zu sehen.
Vielen ist das Schloss aus dem Fernsehen vertraut: 1972 entstanden hier Szenen des Märchenfilms „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“, einer tschechoslowakisch-ostdeutschen Koproduktion, die in vielen Familien zum Weihnachtsprogramm gehört. Das Schloss widmet dem Film jeden Winter eine Ausstellung. Im Teichgebiet ringsum lohnen das Fasanenschlösschen und ein Leuchtturm an einem Miniaturhafen einen Spaziergang.
Festung Königstein
Rund 30 Kilometer südöstlich von Dresden ragt ein Tafelberg aus Sandstein etwa 240 Meter über die Elbe. Seine Hochfläche, gut neun Hektar groß, ist rundum von senkrechten Felswänden umgeben – eine natürliche Festung, auf der schon im 13. Jahrhundert eine Burg der böhmischen Könige stand. Ab 1589 ließ Kurfürst Christian I. den Berg zur stärksten Festung Sachsens ausbauen. Mauern von zusammen rund 1,8 Kilometern Länge und bis zu 42 Metern Höhe schließen das Plateau ein.
Erobert wurde der Königstein nie. Gerade deshalb diente er als Tresor: In Kriegszeiten lagerten hier Staatsschatz und Archive, 1756 und 1813 auch Kunstschätze aus Dresden. Zugleich war die Festung ein gefürchtetes Staatsgefängnis. Zu den Häftlingen zählten der Alchemist Johann Friedrich Böttger, später einer der Erfinder des europäischen Porzellans, der Revolutionär Michail Bakunin und der Sozialdemokrat August Bebel. Im Zweiten Weltkrieg war hier ein Lager für kriegsgefangene Offiziere; 1942 gelang dem französischen General Henri Giraud die Flucht.
Für den Königstein brauchen Sie einen halben bis ganzen Tag. Auf dem Plateau stehen Bauten aus mehreren Jahrhunderten, darunter die Friedrichsburg und das Brunnenhaus über einem 152,5 Meter tiefen Brunnen, der als zweittiefster Burgbrunnen Europas gilt. Vom Wehrgang reicht der Blick über die Tafelberge der Sächsischen Schweiz, auf den gegenüberliegenden Lilienstein und tief hinab ins Elbtal.
Burg Stolpen
Knapp 30 Kilometer östlich von Dresden steht Burg Stolpen auf einem Hügel aus vulkanischem Gestein. Die Basaltsäulen unter den Mauern sind so markant, dass der Schlot 2006 zu einem der bedeutendsten Nationalen Geotope Deutschlands erklärt wurde. Erstmals erwähnt 1222, gehörte die Burg lange den Bischöfen von Meißen, bis Kurfürst August sie 1559 an sich brachte. Für den Brunnen gruben Bergleute ab 1608 mehr als zwei Jahrzehnte lang über 80 Meter tief in den harten Basalt.
Berühmt ist Stolpen durch eine Frau. Anna Constantia von Cosel, Mätresse Augusts des Starken, fiel in Ungnade und wurde zu Weihnachten 1716 nach Stolpen gebracht. Sie verließ die Burg nie wieder und lebte dort 49 Jahre, die letzten zwei Jahrzehnte im Johannisturm, der seither Coselturm heißt. 1765 starb sie mit 85 Jahren und wurde in der Burgkapelle beigesetzt. Französische Truppen sprengten 1813 große Teile der Anlage, seither ist Stolpen eine Mischung aus Ruine und erhaltenen Bauten.
Dresden und Sächsische Schweiz
Ohne die Residenzstadt der Wettiner versteht man die Schlösser im Umland kaum. Der Zwinger, ab 1710 von Pöppelmann und dem Bildhauer Balthasar Permoser als Festplatz des Hofes geschaffen, gilt als ein Hauptwerk des deutschen Barock. Im benachbarten Residenzschloss zeigen die Schatzkammern des Grünen Gewölbes, wie prunkvoll die Kurfürsten sammelten. Elbaufwärts liegt Schloss Pillnitz, die Sommerresidenz des Hofes, deren Palais mit geschwungenen Dächern und chinesisch inspirierter Malerei direkt am Ufer stehen.
Hinter Pirna beginnt die Sächsische Schweiz, ein Felsenland aus Sandstein, dessen Kern seit 1990 als Nationalpark geschützt ist. Die Basteibrücke, 1851 aus Sandstein errichtet, überspannt eine tiefe Schlucht hoch über der Elbe; gleich daneben liegen die Reste der Felsenburg Neurathen, deren Räume direkt in den Fels gehauen wurden. Der Malerweg, ein Rundwanderweg von rund 116 Kilometern in acht Etappen, folgt den Spuren der Maler der Romantik durch das Gebirge.
Besuch planen
Dresden ist der natürliche Standort. Meißen und Moritzburg passen gut in einen halben Tag, für Königstein und die Bastei sollten Sie einen ganzen Tag einplanen. In drei bis vier Tagen lässt sich eine Runde von Meißen über Moritzburg, Dresden und Pillnitz bis Königstein und Stolpen gut bewältigen.
So kommen Sie hin
- Mit der Bahn
- Meißen und Königstein erreichen Sie von Dresden aus mit der S-Bahn. Vom Bahnhof Königstein führt ein steiler Fußweg in rund einer Stunde zur Festung, in Meißen geht es durch die Altstadt in etwa 20 bis 30 Minuten auf den Burgberg.
- Mit dem Bus
- Nach Moritzburg und Stolpen fahren Busse ab Dresden. Nach Moritzburg verkehrt außerdem eine Schmalspurbahn von Radebeul durch den Lößnitzgrund.
- Mit dem Schiff
- In der Saison fahren Ausflugsschiffe auf der Elbe von Dresden nach Pillnitz und in die Sächsische Schweiz, elbabwärts auch nach Meißen.
- Mit dem Auto
- Alle Ziele liegen höchstens eine Autostunde von Dresden entfernt; an der Festung Königstein und in Moritzburg gibt es größere Parkplätze.
- Barrierefreiheit
- Auf den Königstein führen Aufzüge, darunter ein Panoramaaufzug an der Außenmauer. Der Meißner Burgberg ist steil und gepflastert.
Fahrpläne und Zufahrten ändern sich. Bitte prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben der Verkehrsverbünde und der Schlossverwaltungen.
Häufige Fragen
Wird in der Albrechtsburg noch Porzellan hergestellt?
Nein. Die Produktion verließ die Burg 1863. Im Schlossmuseum geht es aber auch um die Anfänge des europäischen Porzellans und die Jahre, in denen die Albrechtsburg Manufaktur war.
Welches Ziel passt in einen halben Tag ab Dresden?
Moritzburg oder Meißen; beide sind schnell erreicht. Für die Festung Königstein lohnt sich ein ganzer Tag, zumal die Bastei in der Nähe liegt.
Wo wurde „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ gedreht?
Moritzburg diente als Kulisse für das Königsschloss; auf der Treppe an der Ostseite verliert Aschenbrödel ihren Schuh. Den Gutshof der Stiefmutter drehte man dagegen in Böhmen, an der Wasserburg Švihov.
Gehört das Dresdner Elbtal zum Welterbe?
Nicht mehr. Die Kulturlandschaft wurde 2004 eingetragen und 2009 wegen des Baus der Waldschlößchenbrücke wieder von der Liste gestrichen. Die Bauten selbst stehen weiter unter Denkmalschutz.
