Ferienstraßen sind keine eigenen Straßen, sondern Themenrouten auf vorhandenen Bundes-, Landes- und Kreisstraßen, ausgewiesen mit eigenen Schildern. Getragen werden sie meist von Vereinen und Arbeitsgemeinschaften der Orte, die an ihnen liegen. In Deutschland gibt es mehr als hundert solcher Routen; einige der bekanntesten entstanden in den 1950er-Jahren, als das Reisen mit dem Auto populär wurde. Für Burgenfreunde sind vor allem jene interessant, die historische Bauten wie Perlen auf eine Schnur reihen. Ein festes Programm gibt es dabei nicht: Wie lange Sie bleiben und wo Sie abbiegen, entscheiden Sie selbst.
Routen im Überblick
Die Tabelle fasst die fünf hier vorgestellten Routen zusammen. Die Längen sind gerundet und beruhen auf den Angaben der Trägervereine; sie ändern sich, wenn Orte hinzukommen oder Abschnitte neu geführt werden.
| Route | Verlauf | Länge | Seit |
|---|---|---|---|
| Burgenstraße | Heidelberg/Schwetzingen – Rothenburg – Nürnberg – Bayreuth | rund 840 km | 1954 |
| Romantische Straße | Würzburg – Rothenburg – Augsburg – Füssen | rund 410 km, Radroute knapp 500 km | 1950 |
| Deutsche Fachwerkstraße | Elbe – Harz – Hessen – Bodensee, acht Regionalstrecken | mehrere Tausend km | 1990 |
| Straße der Romanik | Achterschleife durch Sachsen-Anhalt um Magdeburg | rund 1.200 km | 1993 |
| 100-Schlösser-Route | vier Radrundkurse im Münsterland | rund 960 km | 1987, heutige Form 2007 |
Die Burgenstraße
Keine andere Route reiht so viele Burgen aneinander. 1954 als Arbeitsgemeinschaft der Orte zwischen Mannheim, Heilbronn und Nürnberg gegründet, wurde sie später bis Bayreuth verlängert; von 1994 bis 2017 reichte sie sogar bis Prag. Seit Anfang 2026 beginnt sie im Raum Heidelberg und Schwetzingen und misst rund 840 Kilometer. Im Westen folgt sie dem Neckar: Auf das Heidelberger Schloss folgen die Burgen des Neckartals, Bad Wimpfen mit den Resten seiner staufischen Kaiserpfalz und Heilbronn, dann Weinsberg mit der Burgruine Weibertreu.
Weiter östlich gehören Schwäbisch Hall mit der Großcomburg, Rothenburg ob der Tauber, die Residenz in Ansbach und Eichstätt mit der Willibaldsburg zu den Stationen. In Nürnberg steht die Kaiserburg auf ihrem Sandsteinfelsen über der Altstadt. Über Bamberg, Coburg mit der mächtigen Veste und Kulmbach mit der Plassenburg erreicht die Route schließlich Bayreuth, wo das Neue Schloss den Schlusspunkt setzt. Wer die gesamte Strecke fahren möchte, sollte mindestens eine Woche einplanen.
Die Romantische Straße
Seit 1950 verbindet die Romantische Straße auf rund 410 Kilometern Würzburg am Main mit Füssen am Alpenrand. Sie zählt zu den ältesten Ferienstraßen Deutschlands und ist besonders bei Reisenden aus dem Ausland bekannt. Am Anfang steht die Würzburger Residenz, seit 1981 Welterbe. Über Weikersheim und Bad Mergentheim führt die Route ins Taubertal und nach Rothenburg, dann weiter nach Dinkelsbühl und Nördlingen. Nördlingen liegt im Krater des Nördlinger Rieses und gilt als einzige Stadt in Deutschland mit einer vollständig erhaltenen, rundum begehbaren Stadtmauer.
Hinter Harburg, dessen große Burganlage hoch über der Wörnitz steht, und Donauwörth erreicht die Straße Augsburg, dann Landsberg am Lech und schließlich Füssen. Wenige Kilometer weiter liegen Neuschwanstein und Hohenschwangau, für viele das Ziel der ganzen Reise. Radfahrer folgen einer eigenen, ausgeschilderten Route von knapp 500 Kilometern, die meist über Nebenstraßen und Radwege führt.
Die Deutsche Fachwerkstraße
Die längste der hier vorgestellten Routen ist eher ein Netz als eine Linie. Die Deutsche Fachwerkstraße wurde 1990 eröffnet und reicht von der Elbe im Norden bis an den Bodensee; im Osten führt sie bis in die Oberlausitz. Seit 2021 ist sie in acht Regionalstrecken gegliedert, jede mit eigener Farbe auf der Karte, durch Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Bayern und Baden-Württemberg. Rund hundert Fachwerkstädte gehören dazu, von Celle und Quedlinburg über Schmalkalden und Dillenburg bis Marbach am Neckar und Schiltach im Schwarzwald.
Die Gesamtlänge wird mit mehreren Tausend Kilometern angegeben – am Stück fährt sie niemand. Sinnvoller ist es, eine Regionalstrecke herauszugreifen und zwei oder drei Städte gründlich anzusehen. Was Fachwerk konstruktiv ausmacht und woran man Alter und Region eines Hauses erkennt, erklärt unser Glossar.
Die Straße der Romanik
In Sachsen-Anhalt steht eine außergewöhnliche Dichte an Bauwerken aus dem 10. bis 13. Jahrhundert. Die 1993 eröffnete Straße der Romanik verbindet 88 von ihnen in 65 Orten auf rund 1.200 Kilometern. Ihr Verlauf gleicht einer Acht, in deren Mitte Magdeburg mit seinem Dom und dem Kloster Unser Lieben Frauen liegt. Zu den Stationen gehören die Dome von Halberstadt, Merseburg und Naumburg, die Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode, die Klosterkirche Jerichow und die Stiftskirche in Quedlinburg.
Auch Burgen fehlen nicht: Burg Falkenstein im Harz und Schloss Neuenburg über Freyburg an der Unstrut liegen an der Route. Zwischen den großen Städten führt die Straße oft über Dörfer, deren kleine romanische Kirchen ebenso dazugehören wie die großen Dome. Die Route ist Teil des europäischen Netzwerks Transromanica, das der Europarat 2006 als Kulturroute anerkannt hat.
Schlösser-Routen im Münsterland
Im flachen Münsterland bauten Adelsfamilien ihre Sitze nicht auf Berge, sondern ins Wasser. Gräften – so heißen hier die breiten Wassergräben – schützten Burgen und Herrenhäuser, die später oft zu Schlössern umgebaut wurden. Die 100-Schlösser-Route verbindet sie auf rund 960 Kilometern Radweg. Sie entstand 1987 als großer Rundkurs; seit einer Neugestaltung 2007 besteht sie aus vier miteinander verknüpften Schleifen, dem Nord-, Ost-, Süd- und Westkurs.
Am Südkurs liegen die Burg Vischering bei Lüdinghausen, eine der bekanntesten Wasserburgen der Region, und Schloss Nordkirchen, das wegen seiner Größe gern „Westfälisches Versailles“ genannt wird. Burg Hülshoff, Geburtsort der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, ist über Nord- und Südkurs zu erreichen; im Westen gehören Burg Anholt und Schloss Lembeck dazu. Weil es kaum Steigungen gibt, eignet sich die Route auch für Familien und für alle, die Höhenmeter meiden. Mehr zur Burg Vischering lesen Sie im Kapitel Norddeutschland.
Etappen planen: Auto, Bahn oder Rad
Eine Ferienstraße in einem Zug abzufahren, ist selten die beste Idee. Rechnen Sie im Auto lieber mit Tagesetappen von 60 bis 120 Kilometern, damit Zeit für eine Burgführung und einen Rundgang durch die Altstadt bleibt. Wer mit Bahn und Bus reist, wählt eine gut angebundene Stadt als Standort und unternimmt von dort Tagesausflüge. Auf dem Rad sind 40 bis 70 Kilometer am Tag ein realistisches Maß, wenn Besichtigungen dazugehören.
Mit dem Auto
Am flexibelsten, vor allem auf der Straße der Romanik und der Fachwerkstraße, deren Stationen oft in Dörfern liegen. In Altstädten parken Sie am besten außerhalb der Mauern.
Mit Bahn und Bus
Würzburg, Rothenburg, Nördlingen, Augsburg und Füssen sowie Heidelberg, Nürnberg, Bamberg und Bayreuth haben Bahnhöfe. Kleinere Orte erreichen Sie oft nur mit dem Bus, am Wochenende mitunter seltener.
Mit dem Rad
Romantische Straße und 100-Schlösser-Route haben eigene Radrouten, am Neckar verläuft ein Flussradweg. Burgen auf Bergen bedeuten am Ende einer Etappe oft einen steilen Anstieg.
Beste Reisezeit
Mai, Juni, September und Oktober sind auf allen Routen angenehmer als die Sommerferien. Viele kleinere Burgen öffnen ihre Innenräume nur etwa von April bis Oktober.
Ein Vorschlag für fünf Tage auf der Burgenstraße
- Heidelberg: Schloss, Altstadt und der Blick vom Philosophenweg.
- Durch das Neckartal nach Bad Wimpfen mit der Kaiserpfalz.
- Schwäbisch Hall mit der Großcomburg, abends Rothenburg ob der Tauber.
- Nürnberg mit Kaiserburg und Altstadt.
- Zum Abschluss Bamberg mit Dom und Altstadt oder Coburg mit seiner Veste.
Allgemeine Hinweise zu Reisezeit, Führungen und Anreise finden Sie im Kapitel Reiseplanung.
