Wer von Moselkern ins Tal des Elzbachs hinaufwandert, sieht die Burg lange nicht. Der Weg folgt dem Bach durch Laubwald, die Hänge rücken eng zusammen, und erst nach einer letzten Biegung steht sie da: ein Bündel aus Türmen, Erkern und Fachwerkgiebeln auf einem Felsen, den das Wasser fast ganz umschließt. Diese versteckte Lage in einem Seitental, an einem alten Weg zwischen Mosel und Maifeld, erklärt einen Teil ihres Ruhms – und warum sie die Jahrhunderte so gut überstanden hat.
Burg Eltz im Elztal
Urkundlich fassbar wird die Burg 1157, als in einer Urkunde Kaiser Friedrich Barbarossas ein Rudolf von Eltz als Zeuge erscheint. Seitdem ist sie im Besitz derselben Familie, seit mehr als 850 Jahren also. Ältester sichtbarer Teil ist der turmartige Bau Platt-Eltz mit romanischen Untergeschossen. Ihr heutiges Gesicht erhielt die Burg zwischen dem 14. und dem 17. Jahrhundert: Um einen engen Innenhof drängen sich Wohnbauten mit teils mehr als sieben Geschossen, gekrönt von Erkern, Fachwerkaufsätzen und spitzen Turmhelmen.
Zerstört wurde Burg Eltz nie, auch nicht im Pfälzischen Erbfolgekrieg, der 1689 so vielen Burgen an Mosel und Rhein das Ende brachte. Belagert wurde sie allerdings schon: In der Eltzer Fehde von 1331 bis 1336 stellten sich die Herren von Eltz gegen den Trierer Erzbischof Balduin von Luxemburg. Er ließ oberhalb der Burg eine Belagerungsburg errichten, die Trutzeltz, von der nur Mauerreste blieben. Am Ende unterwarfen sich die Eltzer, die Burg blieb erhalten. Von 1845 bis 1888 ließ Graf Karl zu Eltz sie behutsam instand setzen, ohne sie im Geschmack des Historismus umzudeuten.
Die Ganerbenburg erklärt
Burg Eltz ist das wohl bekannteste Beispiel einer Ganerbenburg. Schon vor 1268 teilten drei Brüder den Besitz; aus ihnen gingen die Linien Kempenich, Rübenach und Rodendorf hervor, erkennbar an goldenem Löwen, silbernem Löwen und Büffelhörnern im Wappen. Jede Linie baute eigene Häuser an den gemeinsamen Felsen, und so wuchs die Burg nicht nach einem Gesamtplan, sondern Haus um Haus in die Höhe.
Tor, Hof und Befestigung nutzte man gemeinsam. Das Zusammenleben regelte ein Burgfrieden, ein Vertrag über Verteidigung, Unterhalt und Streitschlichtung; für Eltz ist ein solcher Brief von 1323 überliefert. Zeitweise lebten mehr als hundert Menschen auf der Burg. Seit 1815 gehört sie allein der Kempenicher Linie, doch die Hausgruppen lassen sich noch ablesen: das Rübenacher Haus ab 1311, die Rodendorfer Häuser von 1490 bis 1540, die Kempenicher Häuser von 1604 bis 1661. Die Führung zeigt Räume der ersten beiden, darunter den Rittersaal; die Kempenicher Häuser sind nicht zugänglich.
Die Schatzkammer
In den Gewölbekellern des Rübenacher Hauses zeigt die Schatzkammer mehr als 500 Objekte aus dem 12. bis 19. Jahrhundert: Goldschmiedearbeiten, Porzellan, Glas und Uhren. Zu den bekanntesten Stücken zählen die Figurengruppe „Diana auf dem Hirsch“ aus der Zeit um 1600 und eine gut einen Meter hohe Statue des heiligen Johannes Nepomuk von 1752.
Besuch und Wanderwege
Burg Eltz ist ein Saisonbetrieb, geöffnet üblicherweise vom Frühjahr bis Anfang November. Die Wohnräume sind nur mit Führung zugänglich. An Sommerwochenenden wird es im engen Burghof voll; früh am Tag oder unter der Woche ist es ruhiger. Mit dem Auto erreichen Sie Parkplätze auf der Hochfläche über dem Tal, von dort führen eine Zufahrtsstraße und ein Fußweg hinunter, in der Saison auch ein Pendelbus.
Am schönsten ist die Ankunft zu Fuß. Der bekannteste Weg beginnt in Moselkern und folgt dem Elzbach aufwärts; vom Wanderparkplatz im Tal sind es noch rund zweieinhalb Kilometer, etwa eine Dreiviertelstunde. Von Treis-Karden führt ein längerer Weg über die Höhen, und der Rundweg „Eltzer Burgpanorama“ umkreist die Burg auf gut 13 Kilometern.
So kommen Sie hin
- Mit der Bahn
- Moselkern, Hatzenport und Cochem liegen an der Bahnstrecke Koblenz–Trier. Von Moselkern geht es zu Fuß zur Burg Eltz, von Hatzenport in der Saison mit dem Bus.
- Mit dem Auto
- Über das Maifeld zu den ausgeschilderten Parkplätzen oberhalb der Burg Eltz.
- Zu Fuß
- Von Moselkern durch das Elztal, etwa 45 Minuten ab dem Wanderparkplatz. In Cochem führt ein steiler Weg in rund einer Viertelstunde von der Altstadt zur Reichsburg.
- Barrierefreiheit
- Beide Burgen sind nicht barrierefrei; Wege und Treppen sind steil.
Fahrpläne und Zufahrten ändern sich. Bitte prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben der Verkehrsverbünde und der Burgverwaltungen.
Die Reichsburg Cochem

Wer von Burg Eltz kommt, erlebt in Cochem das Gegenstück: eine Burg, die so aussieht, wie sich das 19. Jahrhundert das Mittelalter vorstellte, mit steilen Dächern, Ecktürmchen und wuchtigem Bergfried hoch über Stadt und Weinbergen. Entstanden ist sie wahrscheinlich um 1100; als Reichsburg unterstand sie dem König, bis Adolf von Nassau sie 1294 an den Trierer Erzbischof verpfändete. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg besetzten französische Truppen die Burg im November 1688 und sprengten sie im Mai 1689.
1868 kaufte der Berliner Kaufmann Louis Ravené die Ruine und ließ sie nach Plänen von Hermann Ende, später von Julius Carl Raschdorff, bis 1877 im Stil der Neugotik wieder aufbauen. Mittelalterliche Mauern wurden einbezogen, vieles am Äußeren ist frei gestaltet. Seit 1978 gehört die Burg der Stadt Cochem; die Innenräume sind bei Führungen zu sehen, und der Blick über den Fluss lohnt den steilen Anstieg.
Weitere Burgen an der Mosel
Viele Burgen zwischen Trier und Koblenz gehörten den Erzbischöfen von Trier, und die meisten fielen 1688/89 französischen Truppen zum Opfer. Zwei Anlagen an der Untermosel ergänzen einen Besuch von Eltz und Cochem gut.
Burg Thurant bei Alken
Über dem Weinort Alken ließ Pfalzgraf Heinrich, ein Bruder Kaiser Ottos IV., um 1200 Burg Thurant errichten. Von 1246 bis 1248 belagerten die Erzbischöfe von Trier und Köln die Burg, eroberten sie und teilten sie anschließend unter sich auf – mit zwei Eingängen und zwei Bergfrieden, dem Trierer und dem Kölner Turm. Seit 1689 Ruine, wurde Thurant nach 1911 teilweise wieder aufgebaut; die Burg ist in Privatbesitz und in der Saison zu besichtigen.
Die Ehrenburg bei Brodenbach
Wenige Kilometer entfernt liegt im Ehrbachtal oberhalb von Brodenbach die Ehrenburg, erstmals 1161 erwähnt. Markant ist ihr rund 20 Meter hoher Doppelturm mit Schildmauer aus dem 14. Jahrhundert. 1689 sprengten französische Truppen Teile der Anlage; seit Jahrzehnten wird die Ruine gesichert und teilweise wieder aufgebaut. Heute ist sie oft Schauplatz von Veranstaltungen.
Moselschleifen und Weinorte
Gut 230 Kilometer legt die Mosel in Deutschland zurück, bevor sie am Deutschen Eck in Koblenz in den Rhein mündet. Dabei windet sie sich durch das Rheinische Schiefergebirge, zwischen Eifel und Hunsrück. Die bekannteste Schleife ist der Cochemer Krampen zwischen Bremm und Cochem. Bei Bremm ragt der Calmont auf, der als steilster Weinberg Europas gilt; ein gesicherter Steig führt durch die Rebterrassen und verlangt Trittsicherheit.
Weinbau prägt das Tal seit der Römerzeit. Auf den Schieferböden dominiert der Riesling, und in vielen Steillagen geschieht die Arbeit bis heute von Hand. Orte wie Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Zell, Beilstein und Winningen haben Fachwerkhäuser und Gewölbekeller bewahrt, und über einigen stehen Burgruinen wie die Burg Landshut über Bernkastel. Zu Fuß erschließt der Moselsteig das Tal, rund 365 Kilometer von Perl an der luxemburgischen Grenze bis Koblenz; daneben verbinden Bahn, Ausflugsschiffe und ein Radweg am Ufer die Orte.
Trier als Ausgangspunkt
Wer die Mosel von Süden her bereist, beginnt am besten in Trier. Die Stadt war in der Spätantike zeitweise Kaiserresidenz; ihre Römerbauten, der Dom und die Liebfrauenkirche gehören seit 1986 zum UNESCO-Welterbe. Mehr dazu auf unserer Seite Historische Orte; wie sich die Mosel mit dem Rhein verbinden lässt, zeigt die Seite Mittelrhein.
Häufige Fragen
Kann man Burg Eltz auch im Winter besuchen?
Innenräume und Schatzkammer sind nur in der Saison geöffnet. Den Wanderweg durchs Elztal und den Blick von außen haben Sie auch im Winter.
Wie viel Zeit sollte man für Burg Eltz einplanen?
Für Führung, Schatzkammer und Burghof mindestens zwei Stunden, mit der Wanderung von Moselkern hin und zurück gut einen halben Tag.
Lassen sich Burg Eltz und Cochem an einem Tag verbinden?
Ja. Morgens zu Fuß von Moselkern zur Burg Eltz, nachmittags mit dem Regionalzug wenige Stationen weiter nach Cochem. Prüfen Sie dafür vorab die Führungszeiten beider Burgen.
Welche Jahreszeit eignet sich für die Mosel am besten?
Frühjahr und Herbst. Im Oktober färbt sich das Laub der Reben, und die Weinlese bringt Leben in die Orte; Cochem und Burg Eltz sind dann allerdings gut besucht.
