Region · Rheinland-Pfalz und Hessen

Mittelrhein

Auf rund 65 Kilometern zwischen Bingen, Rüdesheim und Koblenz drängen sich Burgen, Weinorte und Schieferfelsen so dicht wie nirgends sonst in Deutschland. Hier finden Sie die wichtigsten Anlagen des Welterbetals, die Geschichte der Loreley und Wege durchs Tal mit Bahn, Schiff, Rad und zu Fuß.

Redaktion Castel Travel Inform · Stand: Oktober 2026

Die helle Marksburg mit hohem Bergfried auf einer bewaldeten Kuppe über dem Rhein bei Braubach
Die Marksburg über Braubach, vom linken Rheinufer aus gesehen.

Wer von Bingen rheinabwärts fährt, spürt, wie sich das Tal von Kilometer zu Kilometer verengt. Hinter Burg Rheinstein treten die Hänge dicht an den Fluss, bei Bacharach und Kaub ziehen Weinberge die Schieferwände hinauf, und an der Loreley ist der Rhein nur noch gut 160 Meter breit. Auf vielen Felsvorsprüngen steht eine Burg oder ihre Ruine, oft in Sichtweite der nächsten. Kaum eine Landschaft hat die Vorstellung von der deutschen Burg so geprägt wie diese.

Das Welterbe Oberes Mittelrheintal

Seit 2002 steht das Obere Mittelrheintal auf der Welterbeliste der UNESCO. Geschützt ist eine rund 65 Kilometer lange Kulturlandschaft von Bingen und Rüdesheim bis Koblenz, wo die Mosel in den Rhein mündet. Rund 40 Burgen, Ruinen und Schlösser zählt das Tal, je nach Zählweise. Der Grund für diese Dichte: Der Rhein war die wichtigste Handelsstraße des Reiches, und wer an seinen Ufern Land besaß, konnte von Schiffen Zoll verlangen. Die Erzbischöfe von Mainz und Trier, die Pfalzgrafen bei Rhein und die Grafen von Katzenelnbogen bauten deshalb oft in Sichtweite der Konkurrenz.

1689 zerstörten französische Truppen viele dieser Anlagen. Erst die Romantik entdeckte die Ruinen neu, und mehrere Burgen entstanden im 19. Jahrhundert als Sommersitze preußischer Prinzen neu. Was Sie heute sehen, ist deshalb oft beides: mittelalterliche Mauern und ihre romantische Neuerfindung.

Burgen im Welterbetal, von Süden nach Norden
BurgOrtUferKurz gesagt
Burg RheinsteinTrechtingshausenlinksab 1825 als erste Rheinburg romantisch wieder aufgebaut
Burg ReichensteinTrechtingshausenlinks1282 zerstört, 1899 bis 1902 neugotisch erneuert
PfalzgrafensteinKaubim FlussZollburg auf einer Felsinsel
Burg RheinfelsSt. Goarlinkseinst größte Festung im Tal, heute Ruine
Burg KatzSt. Goarshausenrechts14. Jahrhundert, Privatbesitz
Burg MausWellmichrechtsTrierer Burg des 14. Jahrhunderts
MarksburgBraubachrechtsnie zerstörte Höhenburg
Schloss StolzenfelsKoblenzlinksNeugotik für den preußischen Kronprinzen
Festung EhrenbreitsteinKoblenzrechtspreußische Festung, 1817 bis 1828

Die Marksburg über Braubach

Auf einem Schieferkegel hoch über Braubach steht die Burg, die am Mittelrhein eine Ausnahme bildet: Die Marksburg gilt als einzige Höhenburg im Tal, die nie zerstört wurde. Ihr Kern stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert, den Bergfried begann man wohl in den späten 1230er-Jahren. Zwischen etwa 1350 und 1375 gaben die Grafen von Katzenelnbogen der Anlage ihre gotische Gestalt. Schwere Schäden durch Artilleriebeschuss im März 1945 sind längst behoben.

Seit 1900 gehört die Marksburg der Deutschen Burgenvereinigung, die hier ihren Sitz hat; die ersten Restaurierungen leitete der Architekt Bodo Ebhardt. Führungen zeigen Burgküche, Rittersaal, Kemenate, Rüstkammer und Kapelle, und im einstigen Zwinger wächst ein Kräutergarten mit rund 170 Pflanzen, die schon das Mittelalter kannte. Vom Bahnhof Braubach sind es zu Fuß etwa 20 bis 30 Minuten, das letzte Stück steil bergauf.

Pfalzgrafenstein bei Kaub

Die weiße Zollburg Pfalzgrafenstein auf einer Felsinsel im Rhein vor Kaub, am Hang darüber Burg Gutenfels zwischen Weinbergen
Pfalzgrafenstein im Rhein, darüber Burg Gutenfels. Gemeinsam kontrollierten beide Burgen die Zollstelle von Kaub.

Wie ein Schiff aus Stein liegt Burg Pfalzgrafenstein auf einer Felsinsel mitten im Strom. König Ludwig der Bayer ließ 1326/27 den fünfeckigen Turm errichten, um den Rheinzoll von Kaub zu sichern; von 1339 bis 1342 kam eine rund zwölf Meter hohe Ringmauer mit überdachtem Wehrgang hinzu. Den spitzen Eisbrecher an der Stromseite erhielt sie erst 1606/07; ein Wohnsitz war sie nie. In der Neujahrsnacht 1813/14 setzte Feldmarschall Blücher hier mit seiner Armee über den Rhein, um Napoleons Truppen zu verfolgen.

Sie erreichen die Burg nur mit einer kleinen Fähre von Kaub aus. Drinnen ist es eng, mit steilen Holztreppen und niedrigen Durchgängen; barrierefrei ist die Anlage nicht.

Burgen an beiden Ufern

Burg Rheinfels in St. Goar

Über St. Goar breitet sich die Ruine von Burg Rheinfels aus. Graf Diether V. von Katzenelnbogen gründete sie 1245 als Zollburg; später bauten die Landgrafen von Hessen sie zum Schloss und im 17. Jahrhundert zur Festung aus, damals der größten im Tal nach dem Ehrenbreitstein. Im Winter 1692/93 hielt sie einer französischen Belagerung stand, 1794 räumte die Besatzung sie kampflos, 1796/97 wurde sie gesprengt. Heute gehört die Ruine der Stadt St. Goar.

Rheinstein, Reichenstein und Stolzenfels

Burg Rheinstein bei Trechtingshausen kaufte Prinz Friedrich von Preußen 1823 als Ruine und ließ sie von 1825 bis 1829 als Sommersitz wieder aufbauen – als erste Rheinburg, die im Geist der Romantik neu erstand. Die benachbarte Burg Reichenstein ließ König Rudolf von Habsburg 1282 zerstören; ihr heutiges Bild mit Formen der Neugotik stammt von 1899 bis 1902. Beide sind in Privatbesitz und zeitweise zu besichtigen. Am Nordende des Welterbes, gegenüber der Lahnmündung, steht Schloss Stolzenfels, eine Zollburg der Trierer Erzbischöfe aus dem 13. Jahrhundert. Nach der Zerstörung 1689 schenkte die Stadt Koblenz die Ruine dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Ab 1836 bestimmten Pläne Karl Friedrich Schinkels den Ausbau, den nach dessen Tod Friedrich August Stüler vollendete. Stolzenfels gilt als Hauptwerk der Rheinromantik.

Burg Katz und Burg Maus

Auf der rechten Rheinseite bauten die Grafen von Katzenelnbogen um 1360 bis 1371 über St. Goarshausen die Burg Neukatzenelnbogen, kurz „Katz“. Flussabwärts bei Wellmich ließen die Trierer Erzbischöfe etwa zur selben Zeit die Burg Peterseck errichten, die als „Maus“ bekannt wurde – ein Spottname, der erst im 18. Jahrhundert belegt ist. Burg Katz, 1806 gesprengt und Ende des 19. Jahrhunderts wieder aufgebaut, ist in Privatbesitz und nicht zugänglich.

Festung Ehrenbreitstein

Am Ende des Tals liegt gegenüber dem Deutschen Eck die Festung Ehrenbreitstein. Schon um das Jahr 1000 stand hier eine Burg, die bald an die Erzbischöfe von Trier kam; die heutige Anlage bauten die Preußen von 1817 bis 1828 als Kernstück der Festung Koblenz. Gräben und gewölbte Kasematten zeigen, wie sehr sich die Befestigungskunst seit dem Mittelalter verändert hatte. Heute beherbergt die Festung das Landesmuseum Koblenz, und eine Seilbahn schwebt vom Rheinufer über den Fluss hinauf.

Die Loreley

Luftbild des Oberen Mittelrheintals: Der Rhein windet sich zwischen bewaldeten Hängen, unten rechts der Loreley-Felsen
Die enge Rheinschleife bei St. Goarshausen. Strömung und Felsriffe machten die Fahrt hier lange gefährlich.

Bei St. Goarshausen ragt am rechten Ufer ein rund 130 Meter hoher Schieferfelsen auf. Der Name verbindet sich mit dem alten rheinischen Wort „Lei“ für Fels. Die Figur der Loreley ist dagegen eine Schöpfung der Romantik: Clemens Brentano schrieb 1801 eine Ballade über die Zauberin Lore Lay aus Bacharach, und Heinrich Heine griff den Stoff 1824 auf. In seinem Gedicht „Die Lore-Ley“ kämmt eine Frau auf dem Felsen ihr goldenes Haar und singt, bis der Schiffer im kleinen Kahn nur noch zu ihr hinaufschaut und in den Wellen untergeht. Friedrich Silchers Vertonung von 1837 machte das Gedicht zu einem der bekanntesten deutschen Lieder.

Vom Plateau über dem Felsen, an dem der Rheinsteig vorbeiführt, überblicken Sie die Flussbiegung.

Unterwegs im Tal

Das Tal lässt sich gut ohne Auto bereisen. Links verläuft eine Bahnstrecke von Koblenz über Boppard, St. Goar und Bacharach nach Bingen, rechts eine über Braubach, St. Goarshausen, Kaub und Lorch nach Rüdesheim. Zwischen Koblenz und Mainz führt keine Brücke über den Rhein; Fähren verbinden die Ufer, etwa zwischen Bingen und Rüdesheim oder St. Goar und St. Goarshausen. In der warmen Jahreszeit fahren Ausflugsschiffe von Ort zu Ort; vom Wasser aus sehen Sie die Burgen so, wie sie gedacht waren.

Zu Fuß verbinden zwei Fernwanderwege die Burgen: der Rheinsteig auf rund 320 Kilometern am rechten Ufer von Bonn nach Wiesbaden und der Rheinburgenweg am linken Ufer von Rolandseck bis Bingen, knapp 200 Kilometer lang. Radfahrer folgen dem weitgehend ebenen Rheinradweg.

So kommen Sie hin

Mit der Bahn
Regionalzüge auf beiden Ufern, Umsteigeknoten sind Koblenz und Bingen. Braubach, Kaub, St. Goar und St. Goarshausen haben eigene Bahnhöfe.
Mit dem Schiff
In der Saison Ausflugsschiffe zwischen Koblenz, Boppard, St. Goar, Bacharach, Rüdesheim und Bingen; mehrere Fähren queren den Fluss.
Zu Fuß
Rheinsteig am rechten, Rheinburgenweg am linken Ufer.
Barrierefreiheit
Die meisten Höhenburgen erreichen Sie nur über steile Wege und Treppen; die Seilbahn erleichtert den Weg zum Ehrenbreitstein.
Beste Zeit
Frühjahr und Herbst; an Sommerwochenenden sind Schiffe und Burgen stark besucht.

Fahrpläne von Bahn, Fähren und Schiffen ändern sich mit der Saison. Bitte prüfen Sie vor der Reise die aktuellen Angaben der Verkehrsverbünde und der Burgverwaltungen.

Häufige Fragen

Welche Burgen kann man von innen besichtigen?

In der Regel geöffnet sind unter anderem die Marksburg, Burg Rheinfels, Pfalzgrafenstein, Schloss Stolzenfels, Burg Rheinstein, Burg Reichenstein und die Festung Ehrenbreitstein. Burg Katz ist nicht zugänglich. Zeiten und Führungen bitte jeweils vorab prüfen.

Wie viel Zeit braucht man für das Mittelrheintal?

Für eine Burg und eine Schiffsfahrt genügt ein Tag. Wer mehrere Burgen sehen und ein Stück wandern möchte, plant drei bis vier Tage ein.

Wo hat man den besten Blick auf die Loreley?

Frontal vom linken Ufer, etwa von den Höhen oberhalb von Urbar bei St. Goar, und vom Schiff. Vom Plateau auf dem Felsen schauen Sie auf die Flussbiegung und hinüber nach St. Goar.